Lernen findet bei Kindern längst nicht nur in der Schule statt.
Beim Bauen, Spielen, Entdecken und gemeinsamen Lösen kleiner Probleme werden ständig Fähigkeiten trainiert, ohne dass es sich für Kinder nach Lernen anfühlt.
Ein besonders vielseitiges Beispiel dafür ist die Schnitzeljagd.
Kinder suchen Hinweise, lösen Rätsel, erinnern sich an frühere Informationen, bewegen sich durch ihre Umgebung und überlegen gemeinsam, wie sie zur nächsten Station gelangen.
Für sie steht dabei vor allem das Abenteuer im Mittelpunkt.
Ganz nebenbei werden jedoch erstaunlich viele Fähigkeiten angesprochen.
Problemlösen statt Antworten auswendig lernen
Bei einer Schnitzeljagd erhalten Kinder normalerweise nicht sofort die Lösung.
Sie bekommen Informationen und müssen selbst herausfinden, was damit gemeint ist.
Ein Hinweis könnte beispielsweise lauten:
„Ich habe vier Beine, kann aber nicht laufen. Beim Essen sitzt du oft bei mir.“
Nun beginnt der Denkprozess.
Welche Gegenstände haben vier Beine?
Was hat mit Essen zu tun?
Welche Lösung ergibt im Zusammenhang mit der Umgebung Sinn?
Das Kind muss Informationen sortieren, Möglichkeiten vergleichen und schließlich eine Entscheidung treffen.
Genau das ist Problemlösen.
Kinder lernen, ihre erste Idee zu überprüfen
Nicht jede Vermutung ist richtig.
Vielleicht suchen die Kinder zunächst unter einem Stuhl, obwohl eigentlich der Tisch gemeint war.
Dann müssen sie zurück zum Hinweis.
Was wurde übersehen?
Welche andere Interpretation gibt es?
Diese Erfahrung ist wichtig.
Ein falscher Versuch bedeutet nicht das Ende der Aufgabe.
Er liefert zusätzliche Informationen.
Spielerische Herausforderungen können Kindern dadurch vermitteln, dass Fehler ein normaler Teil des Lösungsprozesses sind.
Beobachtung wird plötzlich wichtig
Bei vielen Schnitzeljagd-Aufgaben entscheidet ein kleines Detail.
Vielleicht fehlt in einer Bilderreihe ein Symbol.
Vielleicht unterscheiden sich zwei Bilder nur an drei Stellen.
Vielleicht muss eine bestimmte Spur entdeckt werden.
Kinder trainieren dadurch:
- genaues Hinsehen,
- Vergleichen,
- Mustererkennung,
- Konzentration,
- visuelle Aufmerksamkeit.
Der entscheidende Vorteil: Die Beobachtungsaufgabe besitzt einen direkten Zweck.
Nur wer das Detail findet, kommt weiter.
Logisches Denken lässt sich leicht einbauen
Eine Schnitzeljagd kann zahlreiche kleine Logikaufgaben enthalten.
Zum Beispiel:
Rot – Blau – Rot – Blau – ?
oder:
Der Schatz ist nicht im Schlafzimmer.
Er ist nicht in der Küche.
Er befindet sich in einem Raum mit vielen Büchern.
Je nach Alter können die Aufgaben immer anspruchsvoller werden.
Jüngere Kinder erkennen einfache Muster.
Ältere Kinder können mehrere Informationen miteinander kombinieren oder Möglichkeiten ausschließen.
Lesen wird Teil einer Mission
Viele Kinder erleben Lesen vor allem als Aufgabe.
Bei einer Schnitzeljagd verändert sich die Motivation.
Ein Hinweis enthält schließlich die Information, die benötigt wird, um weiterzukommen.
Zum Beispiel:
„Sucht dort, wo eure Schuhe auf den nächsten Ausflug warten.“
Das Kind liest nicht, weil es eine Leseübung absolvieren soll.
Es liest, weil es wissen möchte, wo der nächste Hinweis versteckt ist.
Bei älteren Kindern können daraus komplexere Texte entstehen:
- Geheimnachrichten,
- Zeugenaussagen,
- kleine Geschichten,
- Rätseltexte,
- verschlüsselte Hinweise.
Dadurch wird neben dem Lesen auch das Textverständnis gefordert.
Gedächtnis spielt ebenfalls eine Rolle
Gute Schnitzeljagden beziehen manchmal Informationen aus früheren Stationen später wieder ein.
An einer Station entdecken die Kinder beispielsweise eine Zahl.
Drei Aufgaben später wird diese Zahl für einen Code benötigt.
Oder mehrere gefundene Buchstaben ergeben erst am Ende ein Lösungswort.
Dadurch müssen Informationen gespeichert und später wieder abgerufen werden.
Genau das fordert das Arbeitsgedächtnis.
Geschichten erhöhen die Motivation
Einzelne Aufgaben können interessant sein.
Eine zusammenhängende Geschichte macht sie jedoch oft noch spannender.
Aus einer einfachen Suchaufgabe wird etwa:
„Der Forscher hat einen Teil seiner Karte verloren. Findet ihn, bevor der Weg zum geheimen Tempel für immer verschwindet.“
Kinder lösen dann nicht einfach irgendeine Aufgabe.
Sie verfolgen ein Ziel innerhalb einer Geschichte.
Mögliche Themen sind:
- Piraten,
- Weltraum,
- Detektive,
- Tiere,
- Zauberwelten,
- Dschungel,
- Ritter.
Durch die Geschichte erhalten die einzelnen Aufgaben einen Zusammenhang.
Bewegung unterstützt die Abwechslung
Lernen muss nicht ausschließlich im Sitzen stattfinden.
Bei einer Schnitzeljagd bewegen sich Kinder von Station zu Station.
Zwischendurch können zusätzliche Bewegungsaufgaben eingebaut werden:
- balancieren,
- hüpfen,
- einen Ball werfen,
- einen kleinen Parcours absolvieren,
- Gegenstände suchen.
Dadurch wechseln ruhigere Denkphasen und aktive Phasen miteinander ab.
Gerade bei jüngeren Kindern kann dieser Rhythmus helfen, die Aufmerksamkeit länger aufrechtzuerhalten.
Teamarbeit ist ein wichtiger Bestandteil
In einer Gruppe werden weitere Fähigkeiten gefordert.
Kinder müssen:
- Ideen erklären,
- anderen zuhören,
- Entscheidungen gemeinsam treffen,
- Aufgaben verteilen,
- unterschiedliche Meinungen akzeptieren.
Dabei zeigt sich häufig, dass verschiedene Kinder unterschiedliche Stärken besitzen.
Ein Kind entdeckt Details besonders schnell.
Ein anderes löst Codes.
Ein drittes erinnert sich an frühere Hinweise.
Die Gruppe profitiert davon, wenn diese Fähigkeiten miteinander kombiniert werden.
Altersgerechte Aufgaben sind entscheidend
Damit spielerisches Lernen funktioniert, darf die Herausforderung weder langweilig noch überfordernd sein.
4 bis 6 Jahre
Geeignet sind:
- Bildkarten,
- Farben,
- einfache Muster,
- Labyrinthe,
- Suchbilder,
- Bewegungsaufgaben.
6 bis 9 Jahre
Hier funktionieren:
- Rebusse,
- Wortspiele,
- einfache Codes,
- Zahlenrätsel,
- logische Reihen,
- kleine Detektivaufgaben.
Ab etwa 9 Jahren
Möglich sind:
- komplexere Geheimschriften,
- mehrstufige Hinweise,
- Logikrätsel,
- falsche Fährten,
- kombinierte Informationen.
Hinweise statt Lösungen geben
Wenn ein Kind nicht weiterkommt, ist es verlockend, einfach die Antwort zu nennen.
Lernfördernder ist oft ein kleiner Hinweis.
Aus dem Rätsel:
„Ich bin kalt und bewahre Lebensmittel auf.“
könnte zunächst der Tipp werden:
„Sucht einmal in der Küche.“
Reicht das nicht:
„Wo steht normalerweise die Milch?“
So bleibt der letzte Schritt beim Kind.
Das Erfolgserlebnis bleibt erhalten.
Fertige Schnitzeljagden können Struktur geben
Eine kleine Schnitzeljagd lässt sich mit wenigen Zetteln selbst improvisieren.
Für längere Abenteuer braucht es jedoch mehr Vorbereitung:
- eine Geschichte,
- mehrere Rätsel,
- Hinweise,
- Lösungen,
- passende Schwierigkeitsgrade,
- Druckmaterial.
Wer diese Struktur nicht komplett selbst entwickeln möchte, findet bei ABC-Schnitzeljagd fertig vorbereitete Schnitzeljagden zum Ausdrucken, bei denen Geschichten, Rätsel und altersgerechte Aufgaben bereits miteinander verbunden sind.
Eltern können anschließend selbst entscheiden, wo die einzelnen Stationen aufgebaut und versteckt werden.
Auch für Lerninhalte nutzbar
Das Prinzip einer Schnitzeljagd lässt sich zudem auf konkrete Wissensgebiete übertragen.
Beispielsweise können Aufgaben enthalten:
- Buchstaben,
- einfache Mathematik,
- Tierwissen,
- Naturthemen,
- Jahreszeiten,
- geografische Hinweise.
Die Kinder beschäftigen sich mit den Inhalten nicht isoliert, sondern benötigen sie für ihre Mission.
Das macht Wiederholung und Übung oftmals interessanter.
Kinder lernen, ohne ständig ans Lernen zu denken
Das vielleicht Interessanteste an spielerischen Aufgaben ist die Motivation.
Ein Kind denkt bei einer Schatzsuche selten:
„Jetzt trainiere ich mein logisches Denken.“
Es denkt:
„Wir müssen unbedingt herausfinden, wo der nächste Hinweis liegt.“
Trotzdem werden genau dabei verschiedene Fähigkeiten eingesetzt.
Auch vorbereitete Abenteuer wie jene von ABC-Schnitzeljagd verbinden deshalb Rätsel, Geschichte, Bewegung und gemeinsames Problemlösen miteinander.
Spielen und Lernen schließen sich nicht aus
Eine gute Spielidee muss nicht ausdrücklich als Lernspiel bezeichnet werden, um wertvolle Fähigkeiten zu fördern.
Bei einer Schnitzeljagd kommen viele Dinge gleichzeitig zusammen:
- Beobachtung,
- Lesen,
- Gedächtnis,
- logisches Denken,
- Problemlösen,
- Bewegung,
- Kommunikation,
- Fantasie.
Für Kinder bleibt das Ganze trotzdem vor allem eines:
ein Abenteuer.
Und genau darin liegt die Stärke des spielerischen Lernens. Wenn Neugier und Motivation vorhanden sind, passiert Lernen häufig ganz nebenbei.



