Manchmal kann es nicht schaden, einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen. Der Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) zählt zu den ältesten Handwerksberufen überhaupt und ist heute eine der gefragtesten Branchen des deutschen Baugewerbes. Die Städte wachsen, die Grünanlagen müssen geplant und angelegt, die Freiflächen gepflegt werden; die Probleme von Hitzeinseln und Starkregen fordern die naturnahe Gestaltung; die Pflege der Freiflächen wird zum wichtigen Bestandteil der modernen Stadtplanung. Wer hier arbeitet, trägt Verantwortung für die Parkanlagen, die Sportplätze, die Gärten der Bürger und die gewerblichen Außenanlagen in gleichem Maße. Der Beruf verbindet Handwerk mit botanischem Wissen, technisches Verständnis mit Sinn für Ästhetik.
Ausbildung und Einstieg in den GaLaBau
Die klassische Grundlage für den Einstieg in den GaLaBau ist die dreijährige duale Ausbildung zum Gärtner mit der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau. Diese erfolgt im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule parallel zueinander. So wird sichergestellt, dass theoretisches Wissen direkt mit der praktischen Arbeit verbunden ist. Zu den Lerninhalten gehören Pflanzenkenntnisse, Bodenverbesserung, Wegebau, Mauerbau, Entwässerungstechnik, Maschinenkunde etc. Darüber hinaus werden betriebswirtschaftliche Grundlagen, Kalkulation und Aufmaß im Berufsschulunterricht vermittelt. Der Abschluss erfolgt mit einer Gesellenprüfung vor der zuständigen Landwirtschaftskammer oder dem jeweiligen Prüfungsausschuss in einem praktischen und theoretischen Teil.
Das Ausbildungsgehalt ist tariflich geregelt, liegt im ersten Lehrjahr je nach Bundesland zwischen 650 und 850 Euro brutto und steigt in den Folgejahren an. Wer einen mittleren Schulabschluss hat, kann die Ausbildungszeit unter bestimmten Voraussetzungen auf 2,5 Jahre verkürzen. Abiturienten können an Fachhochschulen kombinierte Ausbildungs- und Studienprogramme belegen, die mit einem „Bachelor of Engineering“ in Landschaftsarchitektur oder einer verwandten Fachrichtung abschließen. Ein formeller Schulabschluss ist für die duale Ausbildung nicht notwendig, in der Praxis legen die meisten Betriebe jedoch Wert auf Bewerber mit mindestens einem Hauptschulabschluss.
Wer nach der Ausbildung in dieser Branche tätig werden möchte, stößt auf viele GaLaBau Stellenangebote, vom Gesellen bis zum Führungsjob im etablierten Betrieb.
Tätigkeitsfelder und Arbeitsalltag
Die Berufsbezeichnung GaLaBau-Fachkraft bündelt ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten. Zu den klassischen Tätigkeitsbereichen gehören die Anlage und Pflege von Privatgärten, der Bau von Terrassen, Wegen und Stützmauern aus Naturstein oder Beton, die Gestaltung von öffentlichen Grünanlagen und Renaturierungsmaßnahmen im Rahmen von ökologischen Ausgleichsprojekten. Sportplätze, Schulgeländer und Kinderspielplätze gehören ebenso zum Tätigkeitsfeld wie die Pflege von Friedhöfen oder die Anlage von Dach- und Fassadenbegrünungen, die durch die steigende Nachfrage nach klimaresilienter Stadtgestaltung enorm an Bedeutung gewonnen hat.
Die Arbeit findet größtenteils im Freien statt, ist körperlich fordernd und folgt dem typischen Rhythmus der Jahreszeiten. Der Frühjahr und Sommer sind die Hauptmonate für Neuanlagen, Bepflanzungen und Bauausführungen. Im Winterhalbjahr werden Schnittarbeiten, Gehölzpflege und Reparaturen sowie interne Planung vorgenommen. Witterungsausfälle sind in dieser Branche nahezu selbstverständlich. Je nach Betrieb werden sie durch Schlechtwettergeld oder durch Ausgleich auf Arbeitszeitkonten abgedeckt.
Gehalt und Tarif
Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt im Bundesgebiet je nach Bundesland und Betriebsgröße zwischen 2.200 und 2.700 Euro brutto im Monat. Die Tarifverträge im GaLaBau werden zwischen dem Bundesverband und den zuständigen Gewerkschaften ausgehandelt. Dabei bestehen nach wie vor Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. Mit zunehmender Erfahrung und gezielter Spezialisierung steigt die Vergütung deutlich. Vorarbeiter und Poliere erzielen in der Regel 2.800 bis 3.400 Euro, Meister und Betriebsleiter häufig über 4.000 Euro brutto. Zusätzlich gewähren viele Betriebe Zulagen für Schmutz- und Erschwernisarbeiten sowie vermögenswirksame Leistungen.
Weiterbildung und Aufstiegschancen
Der klassische Weg nach oben führt über die Meisterprüfung im Garten- und Landschaftsbau. Sie berechtigt zur selbstständigen Führung eines Betriebes, sie macht aus einem Gesellen einen Ausbildungsmeister. Die Meisterschule dauert je nach Vollzeit- oder Teilzeitmodell ein bis zwei Jahre. Daneben gibt es Spezialisierungen wie den Fachagrarwirt Baumpflege und Baumsanierung, den staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau oder ein weiterführendes Studium der Landschaftsarchitektur an einer Fachhochschule oder Universität.
In den letzten Jahren behindert der Fachkräftemangel das Baugewerbe in Deutschland, und im GaLaBau macht sich das besonders bemerkbar. Berufe im gärtnerischen Bereich sind von den Stellen mit überdurchschnittlich langer Vakanzzeit betroffen; das erhöht die Verhandlungsposition von Fachkräften erheblich, und zwar sowohl in Bezug auf das Gehalt, Arbeitszeitmodelle, als auch auf den Einsatzort.
Wer längerfristig im GaLaBau tätig werden möchte, darf sich freuen, denn trotz der körperlichen Anforderungen bietet die Branche vergleichsweise viele feste Anstellungen. Im Vergleich zu anderen Saisonberufen sind hier befristete Verträge eher die Ausnahme, weil Fachkräfte mit einer qualifizierten Ausbildung ganzjährig gebraucht werden. So ist der GaLaBau ein Berufsfeld mit echten Perspektiven, nicht nur für Berufsanfänger, sondern auch für Leute, die einen soliden Neuanfang im Handwerk suchen.



